Tierarztpraxis E.Schulze

Zusatzbezeichnung AKUPUNKTUR

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Textfeld: VETimpulse, 8.Jahrg., Ausg.14, 15.Juli 1999: 8- 9

GOLDIMPLANTATE: Grundlagen und Ergebnisse aus der Praxis



Vor einiger Zeit fand im Internet-Diskussionsforum „tiermedizin.de“ eine kurze, aber heftige Auseinandersetzung über die Therapien mit Goldimplantaten statt.

Dabei standen sich auf der einen Seite einige wenige enthusiastische Befürworter und auf der anderen Seite Kollegen gegenüber, die die Wirksamkeit nicht als wissenschaftlich erwiesen ansahen.

Zum besseren Verständnis, worüber eigentlich gestritten wurde, möchte ich kurz meinen persönlichen Einstieg in diese Methode sowie mein Vorgehen am Beispiel der Behandlung der Coxarthrose schildern.

Im September 1996 machte ich mich auf den Weg nach Spiez/Schweiz, um an der Jahrestagung der International Veterinary Acupuncture Society (IVAS) teilzunehmen. Ich beschäftige mich seit 1989 mit Akupunktur, durchlief die humanmedizinischen Kurse, die ATF-Ausbildung und besuchte regelmäßig diverse Zusatzkurse. Ich erhoffte mir von meinem Aufenthalt in der Schweiz vor allem einen intensiven Gedankenaustausch mit Akupunktur-Tierärzten aus der ganzen Welt, wollte von ihren Erfahrungen lernen und ihre theoretischen Überlegungen nachvollziehen.

Bis dahin hatte ich ausschließlich Nadel- und Laserakupunktur in der Kleintier- und Pferdepraxis angewandt, beschränkte mich aber im wesentlichen auf die Behandlung orthopädischer Probleme. Mit besonderer Spannung – aber auch Skepsis – erwartete ich einen Vortrag des dänischen Kollegen Dr. Jens Klitsgaard, der unter dem schlichten Titel „Goldbead Implants“ über die Behandlung von Coxarthrosen referierte. Anhand von über 400 Fällen schilderte er das Implantieren von 24-karätigem Golddraht in spezielle Akupunkturpunkte.

Angesichts der gezeigten Röntgenaufnahmen kam mir mehrfach der spontane Gedanke, dass dieser Hund wohl aus tierschützerischer Sicht besser eingeschläfert worden wäre – während Klitsgaard behauptete, dass 95 %  diese Hunde sich völlig beschwerdefrei bewegten.

Dies erschien mir einerseits als zu fantastisch, andererseits strahlte Klitsgaard aber eine große Souveränität und Kompetenz aus.

Am nächsten Tag hatte ich Gelegenheit, meine Skepsis in einem persönlichen Gespräch mit Klitsgaard zu äußern. Auf meine Frage, ob eine Erfolgsquote von 95% nicht „geschönt“ sei, bekam ich zur Antwort, die Zahlen entsprächen tatsächlich nicht der Wahrheit. De facto erziele er mittlerweile eine Erfolgsquote von 98%, die er jedoch auf Anraten seiner Frau nach unten verändert habe, um glaubwürdiger zu sein. Zitat Klitsgaard: „Dies sind fast sowjetische Zahlen, die kann niemand glauben.“

Bereits wenige Tage nach meiner Rückkehr habe ich meinen ersten Hund „vergoldet“, die genaue Vorgehensweise habe ich an anderer Stelle beschrieben (siehe Literatur).

In leichter Modifizierung der dort geschilderten Vorgehensweise sieht das Procedere nun folgendermaßen aus:

Zunächst wird der Hund allgemein klinisch untersucht. Dem schließt sich eine ausführliche orthopädische Untersuchung an, in welcher Lokalisation und Ausmaß der Beschwerden festgestellt werden. Hierzu gehört auch die Begutachtung aktueller Röntgenaufnahmen. Als letztes erfolgt eine Untersuchung nach den Regeln der „Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)“, um festzustellen, ob es sich im vorliegenden Fall tatsächlich um ein sogenanntes Bi-Syndrom handelt, und um eine individuelle Punktauswahl zu ermöglichen.

Nachdem diese Untersuchungen ergeben haben, dass die Goldimplantate eine Indikation besitzen, wird der Hund mit Medetomidin (Domitor®) sediert. Die Vorteile dieser Sedierung gegenüber einer eigentlichen Narkose liegen erstens in einer raschen Antagonisierbarkeit (wichtig vor allem bei sehr alten Hunden), zweitens reicht die Analgesie völlig aus, um das Gold richtig zu platzieren. Drittens würde ein versehentliches Berühren der Gelenkkapsel immer noch eine heftige Abwehrreaktion des Hundes bewirken.

Nun steche ich – nach üblicher Vorbereitung des OP-Feldes – eine normale 14G-Kanüle von entsprechender Länge in den ersten Punkt, lege mit einer anatomischen Pinzette drei Stücke des Golddrahtes (1mm Durchmesser, 3 bis 4 mm Länge) in die Kanüle und schiebe das Gold mit Hilfe eines selbstgefertigten Mandrins in die Tiefe. Auf diese Art werden bei der Coxarthrose normalerweise drei Punkte pro Seite behandelt. Durch eine abschließende Röntgenaufnahme wird die richtige Lage der Goldimplantate überprüft.

 

 

 

 

In ähnlicher Weise können auch Arthrosen anderer Gelenke behandelt werden. Jedoch ist gerade bei den anderen Gelenken meines Erachtens eine fundierte Kenntnis der Akupunktur-Punkte unerlässlich, und zwar nicht, um überhaupt Erfolg zu haben, sondern um auf Dauer keinerlei Nebenwirkungen zu provozieren.

Setzte ich Anfangs die Goldimplantate nur in solchen Fällen ein, in denen eine andere Behandlung (z.B. mit NSAIDs oder den verschiedenen OP-Methoden) keinen zufrieden stellenden Erfolg zeigte, ist die Goldimplantation mittlerweile zur Methode der 1.Wahl geworden. Nur in den – seltenen – Fällen, in denen die Goldakupunktur nicht den erwünschten Erfolg hat (siehe Tabelle), verabreiche ich nun NSAIDs. Deren Wirkung wird durch das Gold nicht behindert, im Gegenteil, meist reicht eine wesentlich niedrigere Dosis aus.

 

Die Vorteile der Goldakupunktur sind:

 

Eine tiefe Narkose ist nicht notwendig

Einmalige Behandlung

Keinerlei Nachbehandlung

Keine Nebenwirkungen

Sehr hohe Erfolgsrate

 

Der Nachteil besteht indessen darin, dass die Goldimplantation eine große Akupunktur-Erfahrung beim Tierarzt voraussetzt. Aus diesem Grunde ist auch nicht zu erwarten, dass sie sich als Routinetherapie durchsetzen wird. Solange die Akupunktur noch ein Schattendasein in der Tiermedizin führt, wird die Behandlung von Arthrosen mittels Goldimplantaten nur einigen Spezialisten vorbehalten bleiben.

 

 

 

Behandelt wurden ausschließlich Hunde, die einen Lahmheitsgrad III oder IV (nach Brunnberg) aufwiesen. Alle waren vorbehandelt, in der Regel mit NSAIDs.

 

 

Die Einstufung der Ergebnisse bedeutet folgendes:

 

 

Die Beurteilung wird vom überweisenden Tierarzt und dem Besitzer vorgenommen, die Einstufung erfolgt spätestens drei Monate nach der OP.

 

 

 

 

 

 

Literatur:

Durkes,T.E.: Gold Bead Implants. In:Schoen,A.(Hrsg):Veterinary Acupuncture.Ancient Art to Modern Medicine. Mosby-Verlag, USA 1994: 285-290

Klitsgaard, J.: Goldimplants, practical experiences with 400 hipdysplasia cases in the dog. In: IVAS (Hrsg): Proceedings of the Twenty-Second Annual International Congress on Veterinary Acupuncture, 5-8th September 1996, Spiez,Switzerland.

Schulze, E.: Goldimplantate in der Schmerztherapie, Zeitschrift für Ganzheitliche Tiermedizin 1998; 12: 103-105