Tierarztpraxis E.Schulze

Zusatzbezeichnung AKUPUNKTUR

Textfeld: Meerschweinchen

 

 

 

Herkunft und Biologie

Meerschweinchen stammen aus Südamerika (Peru), wo sie als Fleischlieferanten gehalten wurden. Sie gelangten im 16. Jahrhundert mit Seefahrern nach Europa, wo sie als Versuchstier dienten und später auch als Heimtier gehalten wurden. Inzwischen gehören die Meerschweinchen zu den beliebtesten Heimtieren und man unterscheidet die verschiedensten Rassen und Farbschläge. Meerschweinchen gehören zu den Nagetieren; ihre Zähne wachsen lebenslang und müssen daher durch regelmäßiges Kauen und Nagen abgenutzt werden.

 Anschaffung

Ein oder mehrere Meerschweinchen?

Meerschweinchen sind äußerst gesellige Tiere und leben normalerweise in Kleingruppen. Es sollten daher mindestens zwei Meerschweinchen zusammengehalten werden. Meerschweinchen werden in der Regel mit ca. 5-12 Wochen geschlechtsreif, selten auch früher. Wichtig ist, die Böcke rechtzeitig kastrieren zu lassen, um keinen unerwünschten Nachwuchs zu bekommen und um Rangordnungskämpfe zwischen mehreren Böcken zu vermeiden. Kaninchen und Meerschweinchen sind nicht die idealen Partner, da sie eine völlig andere "Sprache" sprechen und die Meerschweinchen oft von den Kaninchen tyrannisiert und unterdrückt werden.

Wo kaufe ich meine Meerschweinchen?

Am besten kauft man die Meerschweinchen in einem guten Zoofachgeschäft oder direkt vom Züchter in einem Alter von 6-8 Wochen. Besonders ist darauf zu achten, ein gesundes Tier zu kaufen mit folgenden Merkmalen: glattes, glänzendes Fell, keine kahlen Stellen, klare Augen ohne Ausfluss, saubere Ohren, korrekte Zahnstellung (kein Speicheln), saubere, trockene Analregion. Die Tiere sollten sich munter und lebhaft/neugierig verhalten.

 Welches Zubehör brauche ich für meine Meerschweinchen?

 

1.  Käfig mit einer Größe von mindestens 100x50x45cm für zwei Tiere, besser natürlich größer.

 

1. Häuschen aus Kunststoff oder Holz (Holz ist schlechter zu reinigen) als Schlaf- und Versteckmöglichkeit.

 

1. Futternapf aus Steingut oder Keramik (mind. 14 cm Durchmesser mit 2-3 cm hohem Rand, damit das Futter sauber und trocken bleibt) und eine Wasserflasche mit Kugelventil (Nippeltränke) sowie eine Heuraufe.

 

1. Einstreu: am besten geeignet ist eine Unterlage aus Weichholzspänen und darüber eine dicke Lage Stroh oder Heu.

 

1. Kamm und Bürste für die Fellpflege, Krallenzange zum Krallenschneiden.

 

1. Transportbox: Um ihre Meerscheinchen gefahrlos nach Hause oder bei Gelegenheit zum Tierarzt transportieren zu können, empfiehlt sich eine Kunststofftransportbox, die sich oben und an der Seite öffnen lässt und im Zoofachhandel erhältlich ist.

 

Haltung und Pflege

Wo ist der beste Platz für den Käfig?

Meerschweinchen mögen es hell und ruhig (nicht im gleichen Raum wie die Stereoanlage oder der Fernseher) bei Temperaturen von 12°C bis 20°C. Auf keinen Fall sollten sie an der Heizung oder in der direkten Sonne stehen. Sie sind extrem hitze- und kälteempfindlich. Zugluft, kalter Boden und hohe Luftfeuchtigkeit sind zu vermeiden.

 Wie gewöhne ich meine Meerschweinchen an die neue Umgebung?

Bevor sie ihre Meerschweinchen in das neue Heim bringen, sollte der Käfig schon fertig ausgestattet inklusive Streu, Heu und Futter bereitstehen (Fütterung siehe unten). Sobald die Meerschweinchen in ihrem neuen Heim angekommen sind, sollte man sie einige Stunden völlig in Ruhe lassen. Kommen sie nach einiger Zeit aus ihrem Häuschen und fangen an zu fressen und sich zu putzen, dann ist die erste Phase der Eingewöhnung geschafft.

 Wie gewöhne ich die Meerschweinchen an mich?

Meerschweinchen sind sehr gesellige Tiere, die sich gerne streicheln lassen und die selten kratzen oder beißen. Dennoch erschrecken sie sehr leicht und reagieren auf ungewohnte Geräusche oder fremde Personen mit panikartigem Umherrennen. Man sollte sich den Tieren daher stets ruhig und langsam nähern und dabei leise mit ihnen sprechen. Nie darf man ein Meerschweinchen beim Schlafen, Putzen oder Fressen stören. Kinder müssen erst ganz allmählich den richtigen Umgang mit dem Tier lernen. Kleinere Kinder sind nicht in der Lage, ein Meerschweinchen alleine zu versorgen und bedürfen immer der Anleitung und Aufsicht eines Erwachsenen!

 Was muss ich beim Auslauf beachten?

Meerschweinchen sollten auch regelmäßig Auslauf bekommen. Dafür eignet sich sowohl ein abgegrenzter Bereich im Haus oder im Sommer ein gut gesicherter Balkon oder ein mit einem Drahtgeflecht abgedecktes Gehege draußen im Garten (Achtung Meerschweinchen sind extrem hitzeempfindlich; nicht in die Mittagshitze, immer auch einen schattigen, kühlen Platz anbieten, keine hohe Luftfeuchtigkeit;). Im Haus kann man den Meerschweinchen einen abgegrenzten Auslauf aus Holz anbieten. Dabei ist zu beachten, dass Meerschweinchen im Gegensatz zu Kaninchen meist nicht stubenrein werden. Der Boden sollte nicht zu glatt sein. Damit die Meerschweinchen Beschäftigung haben, sollte man den Auslauf interessant gestalten: z.B. verschieden große, stabile Pappkartons, in die man Öffnungen geschnitten hat, ausgehöhlte Baumstämme, Röhrensysteme (ausreichend großer Durchmesser!), Äste von Obstbäumen oder auch mal einen Stapel alter Zeitungen zum Knabbern. Außerdem ausreichend viel Heu oder Torf, da Meerschweinchen sich gerne eingraben.

 Was ist bei der Haltung von Meerschweinchen noch zu beachten?

Hygiene und Sauberkeit sind sehr wichtig. Täglich sollte Kot und feuchte Einstreu entfernt werden. Einmal pro Woche muss der ganze Käfig komplett ausgeräumt und gesäubert werden.

Meerschweinchen setzen neben dem dunklen, länglichen Kot zusätzlich noch einen heller gefärbten, klebrigeren Kot ab. Dieser Kot ist ein spezieller, vitaminreicher Nahrungsbrei, den die Meerschweinchen wieder auffressen, um die darin aufgeschlossenen Nahrungsbestandteile und Vitamine aufzunehmen.

Meerschweinchen können Vitamin C nicht selbst bilden, sind also auf eine ausreichende Zufuhr über das Futter angewiesen (siehe unten).

Einmal am Tag sollte man die Bauchunterseite und die Analgegend der Tiere auf Verschmutzungen hin überprüfen. Das ist insbesondere in den warmen Monaten von größter Wichtigkeit, weil sonst Gold- und Schmeißfliegen ihre Eier in Wunden und auf verschmutzte Stellen ablegen, aus denen in kürzester Zeit Fliegenmaden schlüpfen, die den Meerschweinchen schwerste Wunden zufügen können.

Die Krallen sollten regelmäßig kontrolliert werden und bei Überlänge vorsichtig mit einer Krallenschere (aus dem Zoofachhandel) gekürzt werden. Um nicht zu tief zu schneiden, ist es am besten, sich beim ersten Mal vom Tierarzt oder fachkundigen Personal im Zoomarkt zeigen zu lassen, wie weit man schneiden darf.

Fütterung

Meerschweinchen sind herbivore Tiere, die den ganzen Tag über Futter in kleinen Portionen aufnehmen. Die Raufe muss immer mit einem Heu hochwertiger Qualität gefüllt sein. Gutes Heu erkennt man an seinem aromatischen Geruch, der grünlichen Farbe und der Zusammensetzung aus verschiedenen Gräsern mit Blättern, Blüten und Fruchtständen. Niemals darf es schimmelig, feucht oder stark staubig sein! Nur durch die Aufnahme von viel Heu ist das Meerschweinchen in der Lage, seine ständig nachwachsenden Zähne ausreichend abzunutzen.

Dazu muss stets frisches Wasser zur Verfügung stehen.

Zwei- bis dreimal täglich sollte man Grün- und Saftfutter portioniert füttern, wie z.B. Kräuter (Löwenzahn, Dill, Petersilie), verschiedene Salatsorten (kein Kopfsalat!!), Obst (Apfel, Birne, Banane) und Gemüse (Möhren und Möhrengrün, Tomaten, Paprika).

Obst und Gemüse dürfen nur frisch, sauber und trocken gefüttert werden, d.h. gut abwaschen und dann abtropfen lassen.

Luzerneprodukte, Brokkoli, Petersilie, Kohlrabiblätter und Löwenzahn sollten stets nur in kleinen Mengen angeboten werden, da sie viel Kalzium enthalten und zur Bildung von Blasensteinen führen können.

Meerschweinchen sind im Gegensatz zu Kaninchen nicht in der Lage, selbst Vitamin C zu bilden. Daher müssen ihnen 10-20 mg pro kg und Tag mit dem Futter verabreicht werden, da sie sonst an Skorbut (Gewichtsverlust, Anschwellen der Gelenke, Blutungen) erkranken. Um einen Vitamin-C-Mangel auszugleichen, kann man handelsübliche Vitamintropfen ins Trinkwasser geben.

Handelsübliches Fertigfutter sollte nur in kleinen Mengen gefüttert werden, da es zu wenig Rohfaser und zu viel Energie enthält. Bei übermäßiger Gabe von Trockenfutter neigen die Meerschweinchen zu Übergewicht. Knabberstangen und Drops sind als Futter ungeeignet.

Zum Benagen sollten Zweige und Äste von ungespritzten Obstbäumen, Haselnuss- oder Ahorn angeboten werden.

 

Krankheiten

Woran merke ich, dass mein Meerschweinchen krank ist?

Hinweise für eine Erkrankung sind Apathie, schlechte oder keine Futteraufnahme, Zähneknirschen, Augen- oder Nasenausfluss, stumpfes, struppiges Fell, angestrengte Atmung, Speicheln, Durchfall oder Verstopfung. Sollte das Tier eines der genannten Symptome zeigen oder sich "ungewöhnlich" verhalten, so ist es immer ratsam, den Tierarzt aufzusuchen. Um Zahnerkrankungen frühzeitig zu erkennen, empfiehlt es sich, das Meerschweinchen 1x pro Woche zu wiegen und das Gewicht zu notieren. Eine schleichende Gewichtsabnahme ist oft Hinweis für ein beginnendes Zahnproblem.

 

Welches sind die häufigsten Erkrankungen der Meerschweinchen?

Am häufigsten werden Meerschweinchen mit Zahnerkrankungen (Zahnfehlstellungen oder mangelhafte Abnutzung durch falsches Futter), Magen-Darm-Erkrankungen (Parasiten, Blähungen, Enteritis), Atemwegsinfektionen, Abszessen, Blasenentzündungen und Blasensteinen, sowie Hautkrankheiten (Milben, Pilz) und Skorbut (Vitamin-C-Mangel) in der Praxis vorgestellt. Die meisten Erkrankungen, die in der Praxis vorkommen, gehen auf eine fehlerhafte Haltung oder Fütterung der Meerschweinchen zurück! Man kann also einen großen Teil der Krankheiten durch optimale Haltungs- und Fütterungsbedingungen (siehe oben) vermeiden.

Nun wünschen wir Ihnen viel Freude mit ihren Meerschweinchen!

Bei weiteren Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung!