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Die Begriffe »Goldakupunktur« und
»Goldimplantate« werden sowohl von
Tierärzten als auch von Laien synonym
verwendet. Es scheint sich um zwei Aus-
drücke für ein Verfahren zu handeln, die
beide das Gleiche bezeichnen. Im Fol-
genden will ich meine - sehr persönli-
che - Position dazu erläutern.
Geschichtliches
Der Pionier dieser Methode, der ameri-
kanische Tierarzt Terry Durkes, veröf-
fentlichte anlässlich eines IVAS-Aku-
punktur-Kurses ein Papier, in welchem
er seine Verfahrensweise der »Gold Bead
Implantation« vorstellte (l). Der erste
Artikel, der größere Verbreitung erfuhr,
war sein Kapitel »Gold Bead Implants«
(2) in einem Standardwerk der Veteri-
när-Akupunktur (10). Auch auf dem
IVAS-Kongress 1996 in Spiez, Schweiz,
sprachen sowohl Jens Klitsgaard (5, 6)
als auch Are Thoresen (15) von Goldim-
plantaten. Ich selbst benutzte ebenfalls
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lange Zeit diesen Begriff (11-13), ebenso
wie die Vortragenden auf dem IVAS-
Kongress 2000 in Wien (9).
Allen diesen Artikeln ist jedoch ge-
meinsam, dass sie sich an eine Leser-
schaft wenden, die über eine besondere
Form der Dauerakupunktur informiert
werden sollte. In allen Artikeln werden
ausdrücklich Akupunktur-Punkte ge-
nannt, an die das Gold verbracht werden
soll. Es erschien nicht notwendig, über
diesen Begriff nachzudenken.
Heutige Situation
Als sich jedoch die Methode aufgrund
ihrer manchmal nachgerade fantasti-
schen Ergebnisse vor allem bei den Tier-
besitzern herumsprach, dauerte es gar
nicht lange, bis auch hier »Trittbrettfah-
rer« auf den Plan traten. Unbeleckt von
jeglichen Akupunktur-Kenntnissen, ge-
schweige denn mit der Zusatzbezeich-
nung »Akupunktur«, verbringen sie eine
- nach meinem Eindruck - unbe-
stimmte Anzahl von
Goldstücken unkontrol-
liert an ein Gelenk (siehe
Abb 1). Diese Abbildung
habe ich schon an ande-
rer Stelle veröffentlicht
und kommentiert (14).
Die Tatsache, dass
auch diese Methode der
Goldimplantation mei-
nem Kenntnisstand nach
zumindest zu einem Teil
mit einem guten Ergeb-
nis aufwarten kann, er-
klärt sich vermutlich aus
Ganzheitliche Tiermedizin 2001; 15; 139-140
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Abb. 2: Goldakupunktur (aus Lit. 14)
dem Umstand, dass das Gold als solches
eine bestimmte Wirkung (bioche-
misch?, bioelektrisch?) entfaltet. In dem
einen oder anderen Fall mag auch der
Zufall eine Rolle spielen, dass ein Gold-
stück tatsächlich an einem Akupunktur-
Punkt platziert wurde.
Meine Überlegung war nun fol-
gende: Wenn diese Methode tatsächlich
eine besondere Form der Daueraku-
punktur darstellt und nicht nur auf bio-
elektrischen oder anderen Reaktionen
des Goldes beruht, sollte es möglich
sein, auch für andere Gelenke als das
Hüftgelenk Punkte unter Beachtung der
Regeln der TCM zu finden und erfolg-
reich diese Gelenke zu behandeln. Auch
diese Überlegungen habe ich im Vortrag
am Beispiel von Hüftgelenk und Ellen-
bogengelenk dargestellt (14) und will
sie kurz zusammenfassen.
Meine Sichtweise
Obwohl auch andere Indikationen denk-
bar sind, behandle ich mit dem Gold in
erster Linie solche Erkrankungen oder
Disharmonien, die in der TCM als »Bi-
Syndrome« bezeichnet werden. Das Vor-
liegen dieser Syndrome führt nicht un-
bedingt sofort zu Störungen in den
Zang-Fu-Beziehungen (7, S. 202).
Ich taste zwar die Shu-Punkte des
Blasenmeridians in der Voruntersu-
chung immer auf Druckdolenz ab, er-
warte jedoch nicht, solche Schmerz-
Punkte zu finden. Reagiert dennoch ein
Punkt des Blasenmeridians, gilt es zu-
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nächst abzuklären, ob er tatsächlich als
Shu-Punkt reagiert oder nicht vielleicht
als lokaler Ah-Shi-Punkt, z.B. infolge ei-
ner Spondylose oder Spondylarthrose.
Ich behandle also ein oder mehrere Bi-
Syndrome. Nach den allgemeinen Re-
geln der sog. »Wiener Schule« sollten bei
derart chronischem Geschehen mög-
lichst viele Nahpunkte benutzt werden
und nur wenige Fernpunkte (7, S. 229
ff.). Ich gehe soweit, dass ich ausschließ-
lich bei Vorliegen einer sich über
mehrere Wirbelgelenke erstreckenden
Spondylose oder Spondylarthrose über-
haupt Fernpunkte benutze, nämlich die
Punkte Dü 3 (Houxi) und Gb 41 (Linqi).
Ebenso wenig wie über Fernpunkte
behandle ich über Trigger-Punkte oder
Ah-Shi-Punkte. Nach meinem grund-
sätzlichen Verständnis sollte man sie bei
der Nadelakupunktur verwenden, weil
hier der Akupunktur-Reiz ebenfalls zeit-
lich begrenzt ist. Mit der Implantation
des Goldes übe ich jedoch einen Reiz
aus, für den vielleicht der Begriff »Dau-
erakupunktur« oder »Permanentaku-
punktur« zutrifft.
Aus Tabelle 1 wird deutlich, dass
meine Nutzung der Goldimplantate als
nur lokal wirkende Goldakupunktur
durchaus sehr erfolgreich ist und den
Vergleich mit anderen Vorgehensweisen
nicht scheuen muss.
Fazit
Der Ausdruck »Goldimplantate« be-
schreibt eine Technik, der Begriff »Gold-
akupunktur« setzt diese Technik in einen größeren medizinischen und medizin-historischen Kontext. Auch „Gold-
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implanteure« haben Erfolg, aber »Gold-
akupunkteure« wissen, warum sie Er-
folg haben.
Der ausführliche, praxisorientierte Beitrag
»Die Goldimplantation nach der TCM - Diagnostik
und Auswahl der Punkte« folgt in der nächsten
Ausgabe.
Erhard Schulze-
Gartenweg 27
59174 Kamen
Geboren 1951. nach dem Abitur zunächst Studium
von Philosophie, Politologie und Germanistik, an-
schließend Studium der Tiermedizin FU Berlin und
TiHo Hannover, Approbation 1982.
Von 1982 5bis 1984 Assistenz in Gemischtpraxis,
seit 1984 in eigener Praxis (Kleintiere und Pferde)
tätig. Seit 1990 intensive Beschäftigung mit TCM
und Akupunktur.
Literatur
1.Durkes T: Gold bead implantation, IVAS Cer-
tification Course, San Diego, 1989-1990.
2.Durkes T: Gold Bead Implants. In: Schoen A:
Veterinary Acupuncture 1994: 285-289.
3.HieIm-Bjorkman A: Gold »Bead« Implants in
Acupuncture Points Near the Hipjoint. In:
Proceedings of IVAS 2000 World Congress
Vienna/Austria, 23.-26. August 2000;
Hrsg.IVAS, 2000.
4.Kasper M: Dynamics of Chronic Lameness
in the Dog - Holistic Diagnosis for Point
Selection for Gold bead Implantations. In:
Proceedings of IVAS 2000 World Congress
Vienna/ Austria, 23.-26. August 2000; Hrsg.
IVAS.2000.
5.Klitsgaard:Goldimplants, Practical Expe-
riences With 400 Hipdysplasia Cases in the
Dog. In: Proceedings of the Twenty-Second
Annual International Congress on Veterinary
Acupuncture, 5-8"' September 1996,
Spiez/Schweiz: Hrsg. IVAS, 1996.
6.Klitsgaard: Goldimplants. Possible Indica-
tions in the Dog, With Casereports. In: Pro-
ceedings of the Twenty-Second Annual
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International Congress on Veterinary Acu-
puncture, 5-8"1 September 1996, Spiez/
Schweiz; Hrsg. IVAS, 1996.
7. Kubiena G: Chinesische Syndrome verstehen
und verwenden. Verlag Wilhelm Maudrich,
Wien 1996.
8 . Proceedings of the Twenty-Second Annual
International Congress on Veterinary Acu-
puncture, 5-8"' September 1996. Spiez/
Schweiz; Hrsg. IVAS, 1996.
9. Proceedings of IVAS 2000 World Congress
Vienna Austria, 23.-26. August 2000; Hrsg.
IVAS,2000.
10. Schoen A: Veterinary Acupuncture. Mosby,
New York 1994.
11. Schulze E: Goldimplantate in der Schmerz-
therapie. Z Ganzheitliche Tiermedizin 1998;
12:103-105.
12. Schulze E: Goldimplantate: Grundlagen und
Ergebnisse aus der Praxis. Vetimpulse 1999;
8; Ausg. 14:8-9.
13. Schulze E: Arthrosen und Goldimplantate.
Kleintiermedizin 1999 (6): 240-244.
14. Schulze E: Diagnostik und Auswahl der
Punkte für die Goldimplantation nach TCM.
ATF-Fortbildung »Goldimplantation beim
Hund«, 25.3.2001.
1 5. Thoresen A: A »New« Method of Placing
Goldimplants to Treat Hipdysplasia in Dogs.
In: Proceedings of the Twenty-Second An-
nual International Congress on Veterinary
Acupuncture. 5-8"' September 1996, Spiez/
Schweiz; Hrsg. IVAS. 1996.
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